Schnurlose Telefonie

Die schnurlose Telefonie (CT) hat nur eine geringe Reichweite zwischen 50 m und 300 m und wird daher fast ausschließlich im privaten Endteilnehmer-Bereich eingesetzt. Bei den schnurlosen Telefonen handelt es sich um Endgeräte, bei denen eine Funkübertragung das Kabel zwischen Hörer ( Mobilteil, PU) und Telefon (Festteil, BS) ersetzt. Die Entwicklung der schnurlosen Telefonie kennt analoge und digitale Übertragungs- und unterschiedliche Modulationstechniken.


Die Spezifikationen der Schnurlos-Telefonie

1983 wurde die Standardisierung der schnurlosen Telefonie der ersten Generation ( CT1) im Rahmen der CEPT begonnen. Vorläufer dieses Standards waren herstellerspezifische Lösungen, die unter der Bezeichnung CT0 bekannt wurden. Der endgültige CT1-Standard wurde 1984 nach der CEPT-Richtlinie T/R 24-03 verabschiedet. CT1 arbeitet in einem Frequenzbereich von 914 MHz bis 915 MHz für die Übertragung vom Mobilteil zum Festteil, dem Uplink, und im Bereich 959 MHz bis 960 MHz in umgekehrter Richtung. Das Kanalraster beträgt 25 kHz, so dass 40 Duplexkanäle in einem Frequenzabstand von 45 kHz mit FDMA übertragen werden können. Die Sendeleistung des analog modulierten Signals beträgt maximal 10 mW, was einer Reichweite von 50 Metern in Gebäuden und 300 m im Freien entspricht.

Um die unerlaubte Nutzung der Festteile durch dritte schnurlose Telefone zu unterbinden, sind im Standard über 1 Million Kennungscodes zwischen Mobil- und Festteil zur eindeutigen Identifikation vorgesehen und werden ständig durch Innenband-Signalisierung überprüft. Da der später verabschiedete GSM-Standard ebenfalls Frequenzen im 900-MHz-Bereich verwendet und es daher zur Beeinträchtigungen kommen kann, wurde durch EG-Beschluss entschieden, dass die schnurlosen Telefone bis zum Jahr 2001 nicht mehr im 900-MHz-Bereich senden dürfen. CT1 wurde weltweit in verschiedenen Ländern zum Standard, wobei Varianten mit reduzierter Kanalbreite existieren.

Die Varianten der Schnurlos-Telefonie

Die erste Variante von CT1, entwickelt von der Deutschen Telekom, ist CT1+. Dieser Standard verfügt mit 80 Kanälen über die doppelte Kanalzahl und sendet im Uplink bei 885 MHz bis 887 MHz und im Downlink bei 930 MHz bis 932 MHz. CT1+ arbeitet ebenso wie CT1 analog mit Frequenzumtastung.

Schnurlos-Telefon 
   Gigaset 4010 von Siemens

Schnurlos-Telefon Gigaset 4010 von Siemens

In England wurde eine zweite Variante entwickelt, genannt CT2. CT2 war der erste digitale Standard. Das System arbeitet im Frequenzbereich von 864 MHz bis 868 MHz, mit vierzig 100 kHz breiten Duplexkanälen und nutzt Zeitmultiplex als Duplexverfahren. Für die Sprachübertragung nutzt CT2 die Adaptive Delta Pulse Code Modulation (ADPCM) mit 32 kbit/s nach G.721. Die Sendeleistung des Hörgerätes beträgt max. 10 mW; die Reichweite liegt bei 200 m. CT2 kann mehrzellig aufgebaut werden und nutzt Handover. Neben der reinen Sprachübertragung können auch Daten mit niedrigen Übertragungsgeschwindigkeiten übertragen werden.

Mehrzellen-Netz für schnurlose Telefone

Mehrzellen-Netz für schnurlose Telefone

Eine weitere System-Variante für die schnurlose Telefonie ist der Normvorschlag für das System CT3, eingebracht von Ericsson. Dies Variante, die im 900-MHz-Bereich arbeitet, wurde vom European Telecommunications Standards Institute (ETSI) nicht standardisiert, bildet aber die Basis für das von der ETSI standardisiertes DECT-System. Der DECT-Standard wurde 1991 entworfen und 1992 offiziell verabschiedet. DECT definiert die Luftschnittstelle zwischen dem mobilen Handgerät und der Basisstation, wobei sowohl Sprachübertragung als auch Datenübertragung mit flexiblen Übertragungsgeschwindigkeiten unterstützt werden.

Der Standard definiert ein zellulares Mobilfunksystem für die In-House-Kommunikation für tragbare Sprach- und Datenendgeräte für Distanzen bis zu 300 Metern. Das Übertragungs-Frequenzband liegt zwischen 1,88 GHz und 1,90 GHz. In dieser Bandbreite von 20 MHz stehen 120 Kanäle zur Verfügung. Die Kanalauswahl erfolgt bei DECT nach dem TDMA-Verfahren mit einer dynamischen Kanalzuordnung. Das bedeutet, dass sich ein mobiles Endgerät den besten Kanal auswählt und auf diesem auch die Verbindung zur Basisstation aufbaut. Die Sendeleistung ist auf 25 mW begrenzt.

Schnurlose Telefone nach dem CT-Standard durften nur bis zum 31. Dezember 2008 betrieben werden. Danach mussten Geräte mit DECT-Standard eingesetzt werden.

Informationen zum Artikel
Deutsch: Schnurlose Telefonie
Englisch: cordless telephony - CT
Veröffentlicht: 10.04.2014
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Tags: #Schnurlos-Telefonie
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