Mobilfernsehen

Unter Mobilfernsehen versteht man Übertragungstechniken mit denen ein Fernsehbild auf ein mobiles Endgerät, das Fernsehen empfangen und wiedergeben kann, übertragen wird. Die Voraussetzungen für Mobilfernsehen (MDTV) wurden mit der Broadcasttechnik und leistungsstarken Mobilfunktechniken und der Entwicklung entsprechender multimedialer Handys, Smartphones und TV-Handys geschaffen.


Mobilfernsehen als Broadcast und Punkt-zu-Punkt

Beim Mobilfernsehen muss man klar trennen zwischen den Broadcastdiensten und den Punkt-zu-Punkt-Verbindungen über Mobilfunknetze. Während Broadcasting als gemultiplexte funktechnische und auch als IP-basierte Übertragung erfolgen kann, erfolgt die einzelne Verbindung zu jedem Endteilnehmer unter Nutzung des IP-Protokolls.

Bei den Broadcasttechniken werden die Fernsehkanäle funktechnisch im Broadcast übertragen und der Anwender kann, wie beim Fernsehen, zwischen den Programmen von mehreren Fernsehkanälen wählen. Diese Technik kann sowohl über terrestrische Netze übertragen werden, als auch über Satelliten.

Szenarien für die Fernsehdarstellung auf einem TV-Handy

Szenarien für die Fernsehdarstellung auf einem TV-Handy

Zu den Broadcastdiensten gehören die in Europa favorisierten DVB-H und Digital Multimedia Broadcast (DMB), ebenso die in den USA im Wettbewerb stehenden standardisierten Übertragungstechniken Multimedia Broadcast Multicast Service (MBMS), Broadcast Multicast Service (BCMCS) und das proprietäre MediaFLO, das terrestrische Digital Multimedia Broadcast (T-DMB), sowie das in Japan bevorzugte Integrated Service Digital Broadcasting (ISDB). In China setzt man auf das hybride terrestrisch-satellitengestütze Netz, China Multimedia Mobile Broadcasting (CMMB), und auf DMB-T/H.

IP-basiertes Internetfernsehen

Das IP-basierte Internetfernsehen (IPTV), das über Mobilfunknetze übertragen wird, arbeitet mit dem IP-Protokoll und Live-Streaming. Live-Streaming wird im IP-Multicast übertragen und es werden keine individuellen Verbindungen zu den einzelnen Teilnehmern aufgebaut. Im Gegensatz dazu kann IPTV beispielsweise über IP-basierte Mobilfunknetze übertragen werden.

Mobilfernsehen über terrestrische Mobilfunknetze

Die genannten Broadcast-Technologien unterscheiden sich in den Frequenzbereichen, die sie für ihre Übertragung nutzen, und in der Luftschnittstelle, die mit den unterschiedlichsten Modulationsverfahren belegt ist.

Übertragungstechnologien für mobiles digitales Fernsehen (MDTV)

Übertragungstechnologien für mobiles digitales Fernsehen (MDTV)

Was die Frequenzbereiche anbetrifft, so belegt DVB-H im UHF-Bereich die Frequenzen, die bisher für terrestrische Fernsehübertragungen genutzt wurden; MediaFLO belegt Frequenzen um 700 MHz. Anders ist es bei MBMS, das die 3G-Netze mit ihren Diensten General Packet Radio Service (GPRS), Enhanced Data Service for GSM Evolution (EDGE) und Wideband Code Division Multiple Access (WCDMA) nutzt und BCMCS, das auf CDMA2000 setzt. Von der Modulationstechnik her bieten sich mit Orthogonal Frequency Division Multiplex (OFDM) und Coded Orthogonal Frequency Division Multiplex (COFDM) Modulationsverfahren mit hoher Frequenzökonomie. Des Weiteren werden die Quadraturamplitudenmodulation, 16QAM und 64QAM, und die Quadratur-Phasenumtastung benutzt.

Multimedia-Handy, 
   Samsung Omnia HD mit Touchscreen und Symbian für HD-Video-Aufnahmen

Multimedia-Handy, Samsung Omnia HD mit Touchscreen und Symbian für HD-Video-Aufnahmen

Die Markteinführung hängt einerseits von der Bereitstellung entsprechender Produkte ab, andererseits vom übertragungstechnischen Ansatz. So kann DVB-T in Europa erst dann flächendeckend eingeführt werden, wenn die Anwendungen in den noch benutzten Frequenzbereichen sukzessive abgeschaltet worden sind. Bei den Mobilfunkdiensten, die über UMTS angeboten werden, ist es so, dass diese im Unicast übertragen werden und die Kapazität der 3G-Funkzellen schnell überlastet werden, da jede einzelne Verbindung einen einzelnen Stream unterstützen muss. Das gilt auch für Long Term Evolution (LTE), das ebenfalls ein Unicast-Verfahren ist und keine Broadcastübertragung unterstützt.

Handy-TV im Taschenformat beschränkt sich empfangstechnisch nicht auf das TV-Handy bzw. den portablen Medienplayer (PMP), sondern ist auch für die Automotive-Technik von besonderer Bedeutung. Fernsehen an jedem Ort, zu jeder Zeit und unabhängig vom Stromnetz. Das bedeutet aber auch, dass die Empfangsdauer von der Batterieentladung abhängt. Um diese zu verlängern schalten die Handy-Hersteller beim Empfang von DVB-H den Funkempfangsteil des Handys zeitselektiv ein und aus. Das Empfangsteil ist nur dann auf Empfang geschaltet, wenn das gemultiplexte Sendesignal empfangen werden soll. Dieses Verfahren heißt Time-Slicing und reduziert den Energiebedarf um bis zu 80 %.

Der Nachteil des Time-Slicing liegt in der längeren Umschaltzeit zwischen den einzelnen Fernsehprogrammen, die einige Sekunden dauern kann.

Informationen zum Artikel
Deutsch: Mobilfernsehen
Englisch: mobile TV - MDTV
Veröffentlicht: 04.05.2014
Wörter: 627
Tags: #Fernsehen
Links: Live-Streaming, Automotive-Technik, Broadcasting, CDMA2000, CMMB (China multimedia mobile broadcasting)