WLL (wireless local loop)

Wireless Local Loop (WLL) oder Radio Local Loop (RLL) ist die funktechnische Realisierung der Last Mile, des drahtlosen Teilnehmeranschlusses zwischen der Ortsvermittlungsstelle und dem Hausanschluss. Wireless Local Loop ist überall dort eine Alternative, wo neue Netzbetreiber den Teilnehmerzugang realisieren und wo bedingt durch die Besiedelung die Kosten für die drahtgebundene Verkabelung wesentlich höher wären.


Basis eines WLL-Netzes ist die WLL-Funkzelle. Dabei wird von einer Basisstation aus eine in Sektoren eingeteilte WLL-Funkzelle funktechnisch ausgestrahlt. Die Fläche einer solchen WLL-Zelle liegt zwischen 8 qkm und 30 qkm und kann in vier oder acht Sektoren unterteilt sein. Die Funkübertragung erfolgt als Punkt-zu-Mehrpunktverbindung (P2MP) und muss je nach verwendeter Frequenz von der Regulierungsbehörde RegTP lizenziert werden. Die lizenzpflichtigen Frequenzbereiche liegen bei 2,5 GHz, 3,5 GHz und 26 GHz und bieten in den unteren Frequenzbereichen Übertragungsraten von 2 Mbit/s bis 3 Mbit/s und in dem oberen 30 Mbit/s bis 40 Mbit/s. Die Verbindungen von der Basisstation hin zum Endkunden sind sternförmig, wobei mehrere Endkunden gleichzeitig mit einer Basisstation verbunden sind. Die Reichweite der Antennen liegt bei einigen Kilometern, sodass zur Erschließung einer Region mehrere Basisstationen erforderlich sind.

Die verschiedenen WLL-Techniken

Generell eignen sich alle Funktechnologien wie das DCS-1800-Netz, GSM oder das C-Netz zur Realisierung der Wireless Local Loop. Einige Techniken sind wegen ihrer zu geringen Teilnehmerdichte, der schlechteren Sprachqualität und der geringen Übertragungsgeschwindigkeit nicht geeignet.

Bei den WLL-Techniken unterscheidet man zwischen Kleinzellennetzen, zellularen Mobilfunksystemen, Richtfunksystemen und Satellitensystemen. Kleinzellennetze basieren auf dem weiterentwickelten DECT-Standard für schnurlose Telefonie. Dabei versorgt die Basisstation, die an der Vermittlungsstelle betrieben wird, mehrere Endkunden.

Bei den zellularen Mobilfunksystemen wie GSM können die Übertragungskanäle zur Anbindung stationärer Endgeräte verwendet werden. Bei den Richtfunksystemen unterscheidet man zwischen Punkt-zu-Punkt- und Punkt-zu-Mehrpunkt-Verbindungen, wobei Letztere mehrere Endkunden versorgen können. Neben der funkgebundenen Übertragung gibt es auch Systeme, die optischen Richtfunk mit Laserstrahl einsetzen. Bei den Satellitensystemen eignen sich nur die Systeme mit LEO-Satelliten und MEO-Satelliten (niedrige und mittlere Erdumlaufbahn), weil nur diese eine direkte Kommunikation mit den Endgeräten bei geringer Sendeleistung ermöglichen.

Wireless Local Loop (WLL) gehört der Vergangenheit an. Die meisten Projekte wurden bereits 2002 und 2003 wieder eingestellt. Der Grund hierfür ist in den Investitionen zu sehen, da die Anbieter eigene, vollkommen neue Netzstrukturen für die Kommunikation der Basisstationen benötigten, wenn sie nicht von der Deutschen Telekom abhängig sein wollten. Als alternative Funktechnologie, die auch im Anschlussbereich eingesetzt werden kann, ist WiMAX anzusehen.

Informationen zum Artikel
Deutsch: WLL-Netz
Englisch: wireless local loop - WLL
Veröffentlicht: 13.07.2017
Wörter: 406
Tags: #Funktechniken in Anschlussnetzen
Links: Antenne, Basisstation, C-Netz, DCS 1800 (digital cellular system 1800 MHz), DECT-Standard