Software-Ergonomie

Die Software-Ergonomie ist ein Teilgebiet der Ergonomie, die allgemein die Anpassung von technischen Maschinen, Geräten und Equipment an den Menschen formuliert. Die Bedeutung des Wortes Ergonomie leitet sich aus dem Griechischen für ergon, was für Werk oder Arbeit steht und nomos, was für Regel oder Gesetz steht, ab. Aufgrund des heutigen Stellenwertes in der Software-Entwicklung hat sich darauf die Software-Ergonomie als ein eigenes Wissenschaftsgebiet entwickelt, welches sich speziell mit der Mensch-Computer-Interaktion hinsichtlich der Gestaltung und Bewertung von Software beschäftigt.


Das umfassende Themengebiet berührt dabei Aspekte der Beteiligung von Benutzern an der Software-Entwicklung, allgemeine Richtlinien und Normen, technische und organisatorische Rahmenbedingungen, die Qualitätssicherung von Software sowie den Einfluss von Software-Ergonomie auf wirtschaftliche Aspekte. Daher ist dieses ein Arbeitsgebiet, was in ständiger Veränderung begriffen ist und viele verschiedene Disziplinen der Wissenschaft integrieren muss.

Formal regelt sich Software-Ergonomie seit 1996 gemäß der Richtlinie 90/270/EWG, die das Regelwerk im Umgang mit Bildschirmarbeitsplätzen im Grundsatz darlegt. Weiterführende Details in der ergonomischen Gestaltung werden unter der eingehenden Berücksichtigung verschiedener Sichtweisen in der internationalen Normenreihe ISO 9240 bzw. 9241-11 definiert. Hier sind entsprechende Anforderungen im Besonderen an die Gebrauchstauglichkeit von Software betont und diesbezügliche Leitsätze niedergelegt. Die ISO Norm 9241 definiert die Gebrauchstauglichkeit ( Usability) als das Ausmaß in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskonzept genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zur erreichen. Von Seiten der Arbeitgeber besteht seit dem Jahr 2000 eine Verpflichtung zur Einhaltung dieser Normen, so dass nur Bildschirm-Arbeitsplätze eingerichtet werden sollen, die deren Einhaltung garantieren.

Methoden und Gestaltung der Software-Ergonomie

Die Software-Ergonomie befasst sich mit Methoden zur Gestaltung, des Entwurfs und der Bewertung von interaktiver Software und hat zum Ziel, diese möglichst optimal an die Erfordernisse des Benutzers anzupassen. Hierzu zählen im Besonderen Arbeitsabläufe, Window-Gestaltung, Hierarchien der Menü-Ebenen, Kommando-Sprachen (Shell-Scripte), Farb- und Schriftwahl (Design der Informationen) sowie die optimale Funktionsaufteilung zwischen Mensch und Computer.

Ein Ansatz zur Bewältigung dieser Aufgabenstellung ist das sogenannte ABC-Modell, welches die Beziehungen zwischen der Aufgabe an sich, dem Benutzer und dem Computer abbildet und dafür zunächst Grundsätze aus der jeweiligen Sicht definiert:

Angemessenheit. Ein System muss die zur Lösung der Aufgabenstellung notwendigen Funktionen bereitstellen.

Benutzer. Ein System soll handhabbar sein und eine leichte Erlernbarkeit, intuitive Bedienbarkeit und Verständlichkeit realisieren.

Computer. Anpassung des Systems an die Fähigkeiten des Benutzers und an die Prinzipien der Arbeitsplatzgestaltung.

Bestätigt und weiter detailliert wird dieses recht einfache Modell durch die Normreihe ISO 9241, Ergonomie der Mensch-System-Interaktion, speziell die Teile 11 bis 17 und Teil 110. Der Teil 110 beschreibt dabei die Grundsätze der Dialoggestaltung - auch Dialogprinzipien genannt - wie: Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Steuerbarkeit ( Dialog), Erwartungskonformität, Fehlertoleranz, Individualisierbarkeit und Lernförderlichkeit.

Eine Ergänzung der o.g. Normen stellt die ISO Norm 14915 zur "Software-Ergonomie für Multimedia-Benutzungsschnittstellen" aus den Jahren 2002/2003 dar. Diese gliedert sich in drei Teile:

Teil 1: Gestaltungsgrundsätze und Rahmenbedingungen,

Teil 2: Multimedia-Navigation und Steuerung,

Teil 3: Auswahl und Kombination relevanter Medien.

Dabei nennt die ISO Norm 14915 folgende Grundsätze für die Gestaltung von Multimedia-Anwendungen:

Eignung für das Kommunikationsziel. Die Präsentation der Informationen orientiert sich an den Zielen des Benutzers.

Eignung für Wahrnehmung und Verständnis. Die übermittelten Informationen sind so aufbereitet, das diese leicht verständlich sind.

Eignung für die Exploration. Die Präsentation der Informationen muss gut strukturiert sein.

Eignung für die Benutzungsmotivation. Die Art der Präsentation muss den Benutzer zu eigenen Handlungen motivieren.

Die Fragestellung, wie dass man letztendlich Software gestaltet, die die ergonomischen Anforderungen berücksichtigt, ist generell immer wieder auch eine Diskussion der zur Verfügung stehenden Werkzeuge - in diesem Zusammenhang sind User Interface Management Systeme, Builder für die grafische Benutzeroberfläche (GUI) oder auch das Verfahren des Prototypings zu nennen.

Informationen zum Artikel
Deutsch: Software-Ergonomie
Englisch: usability engineering
Veröffentlicht: 28.10.2013
Wörter: 631
Tags: #Software-Technologien
Links: Anpassung, Aspekt, Benutzerfreundlichkeit, Benutzeroberfläche, Computer