Nahbesprechungseffekt

Wenn bei gerichteten Mikrofonen die Schallquelle zu nahe am Mikrofon ist, tritt eine Hervorhebung der Bässe auf. Dieser Effekt heißt Nahbesprechungseffekt und hängt damit zusammen, dass eine Beugung der tiefen Frequenzen auftritt.


Die Beugung der tiefen Frequenzen erfolgt um die Mikrofonkapsel herum und beeinflussen durch das Laufzeitglied die Membran. Im Gegensatz dazu hat der Schall bei höheren Frequenzen einen gerichteten Verlauf; diese Frequenzen beugen sich nicht oder nur in geringem Maße. Darüber hinaus reagieren Mikrofone auch auf die Schallschnelle, die bei tiefen Frequenzen nahe der Schallquelle überproportional ansteigt. Durch den Nahbesprechungseffekt werden Bässe unter 200 Hz überproportional betont, was einen voluminöseren Klang verursacht. Die Überbetonung der tiefen ist abhängig von der Richtcharakteristik der Mikrofone. Bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik ist der Effekt relativ ausgeprägt; bei Mikrofonen mit Achtercharakteristik ist er überproportional.

Je geringer der Abstand zwischen Schallquelle und Mikrofon ist, desto stärker werden tiefe Frequenzen angehoben und es entsteht ein dumpfer, unnatürlicher Klang. Der Nahbesprechungseffekt tritt nur bei gerichteten Mikrofonen mit Druckgradientenempfängern bei Abständen von weniger als 60 cm auf. Kugelmikrofone haben daher keinen Nahbesprechungseffekt. Bei Mikrofonen, die ausschließlich für Nahbesprechung ausgelegt sind, wie Lavalier-Mikrofone, wird entweder mit Druckempfängern gearbeitet oder es werden Hochpässe eingesetzt, mit denen die tiefen Frequenzen gedämpft werden.

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Deutsch: Nahbesprechungseffekt
Englisch: proximity effect
Veröffentlicht: 21.08.2019
Wörter: 218
Tags: #Akustik-Grundlagen
Links: Beugung, Druckgradientenempfänger, Erdung, Frequenz, Hertz