NGN (next generation network)

Bei einem Next Generation Network (NGN) handelt es sich um ein Netzwerkkonzept, das durch Multimedia und Echtzeitkommunikation geprägt ist. NGN ist ein Netzkonstrukt in das die verschiedenen vorhandenen Netzkonzepte wie das analoge Telefonnetz, POTS (Plain Old Telephone Service), die digitalen leitungs-, zellen- und paketvermittelten Netze ISDN und ATM, die Mobilfunknetze, Anschlussnetze und auch die IP-Netze integriert werden sollen. Ein solches Netz soll die unterschiedlichsten Übertragungsverfahren und Netzstrukturen wie die leitungsvermittelten Fernsprechnetze, das zeitgetaktete ISDN, die gemultiplexten Mobilfunktechniken, das Fernsehen und die paketorientierten IP-Netze in eine konvergente Netzwerkarchitektur überführen.


Den Backbone bildet ein IP-Netz, über das die Integration des Telekommunikationsnetzes, des Datennetzes und des TV-Netzes am besten erfolgen kann.

Architektur eines NGN

Architektur eines NGN

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) definiert ein Next Generation Network wie folgt: "Ein Next Generation Network ist ein paketbasiertes Netz zur Bereitstellung von Telekommunikationsdiensten für Nutzer unter Verwendung vielfältiger breitbandiger, QoS-basierter Transporttechniken, in dem die dienstbezogenen Funktionen unabhängig von den darunterliegenden transportbezogenen Technologien sind. Es bietet den Nutzern den uneingeschränkten Zugang zu den Netzen, Dienstanbietern und Diensten ihrer Wahl. Es unterstützt die allgemeine Mobilität, indem es überall die einheitliche Bereitstellung von Diensten für den Netzer erlauben wird". Beschrieben wird das NGN im ITU-Standard Y.2001.

Trennung von Diensten und Transport

Auch in der ITU-Definition wird auf die Trennung zwischen Dienstfunktionen und die Transportfunktionen hingewiesen. Den Diensten werden entsprechende Bandbreiten und Dienstgüten (QoS) zur Verfügung gestellt. Die Transportfunktionen unterstützen alle Verbindungsarten, die Punkt-zu-Punkt-Verbindung ebenso wie die Mehrpunktverbindung. Das sich daraus ergebende NGN-Architekturmodell besteht aus dem Benutzer, der Transportebene, der Anwendungsebene mit den Anwender-Profilen und anderen Netzwerken, mit denen der Benutzer kommuniziert.

NGN-Netzstruktur mit Carrier-Ethernet

NGN-Netzstruktur mit Carrier-Ethernet

Die Steuerung der Dienst- und Transportfunktionen wird von Subsystemen übernommen. Auf der Transportebene gibt es das Network Attachment Subsystem (NASS) und das Resource Admission Control Subsystem (RACS) über die die Zugangsberechtigungen und die IP-Adressvergabe geregelt werden. Der Nutzer verfügt über ein intelligentes Informationsmanagement und hat die Möglichkeit schmal- und breitbandige Dienste an seine Anforderungen anzupassen. Ein Aspekt des Dienstangebots ist Konvergenz der Dienste für die Telefonie, das Internet und das Fernsehen, bekannt als Triple-Play-Dienste.

Da viele Dienste IP-basiert sind, migrieren NGNs hin zu IP-Netzen und All-IP-Netzen, die sich durch eine hohe Netzwerkintelligenz auszeichnen.

Umfassenderes Dienstangebot als in anderen Netzen

Das Dienstangebot von Next Generation Networks ist wesentlich umfassender als das von konventionellen Tk-Netzen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das IP Multimedia Subsystem (IMS), dessen Architektur aus Software und Netzwerkkomponenten die Basis für die neuen Dienste bildet. Das IP Multimedia Subsystem bildet die Plattform für Festnetze und Mobilfunknetze, auf der die verschiedenen Dienste und Endgeräte zusammenarbeiten. Bei den Diensten geht es u.a. um die Bereitstellung und Vermarktung von Online-Inhalten oder um Interworking-Services, die unterschiedliche Datenbestände, Netze, Protokolle und Anwendungen miteinander verknüpfen. Weitere Anwendungen sind das Management und der Betrieb von Netzen und Diensten für Kunden. Da ein NGN offene und standardisierte Schnittstellen hat, ist eine schnelle Realisierung und Einbindung neuer Funktionen und Dienste möglich. Dies kann auch vom Benutzer direkt erfolgen, ohne, dass er die Netzarchitektur kennen muss.

In einem NGN werden Class-4-Switches die Services für Ferngespräche und Mehrwertdienste liefern und Class-5-Switches die Ortsnetze mit Diensten versorgen. Transporttechnisch ist Ethernet-Tunneling in der Diskussion, das für einen sicheren Transport im Next Generation Network sorgen soll.

Die Next Generation Networks sollen in den Jahren ab 2010 verstärkt ausgebaut werden. Der Hintergrund für den Ausbau der NGN-Netze ist die fallende Rendite, die den Betreibern von Transportnetzen bei deren zur Verfügungsstellung in der derzeitigen Situation bleiben. Man spricht in diesem Zusammenhang von Kommodifizierung und meint damit die Ausweitung des Leistungsangebots über die reinen Transportdienste hinaus hin zum Dienste- und Inhalte-Anbieter.

Informationen zum Artikel
Deutsch:
Englisch: next generation network - NGN
Veröffentlicht: 10.04.2012
Wörter: 622
Tags: #Next-Generation-Netze
Links: All-IP-Netz, Analog, Architektur, Aspekt, ATM (asynchronous transfer mode)