Multifunktionskarte

Die Bezeichnung Multifunktionskarte wird in unterschiedlichem Kontext benutzt. Einerseits für Chipkarten, die für verschiedene Funktionen erfüllen, andererseits für PC-Einsteckkarten, die in der Messtechnik eingesetzt werden.


  1. Eine Multifunktionskarte ist eine multifunktionale Chipkarte. Sie vereint mehrere unterschiedliche Anwendungen auf einer Chipkarte, hat mehrere Schnittstellen und kann Anwendungen von verschiedenen Anbietern unterstützen und verwalten. Außerdem kann sie als Hybridkarte mit Mikroprozessor und Magnetstreifen ausgestattet sein und über Kontaktflächen oder mittels Funkverbindung betrieben werden. Eine solche Multifunktionskarte kann Geldtransaktionen eingesetzt werden, als Geldkarte, SIM-Karte, elektronische Gesundheitskarte (eGK) oder elektronischer Personalausweis (ePA). Eine typische Multifunktionskarte ist eine Universal Integrated Chip Card (UICC).

    Multifunktionskarten arbeiten mit flexiblen Chipkarten-Betriebssystemen wie dem Security Card Operating System (SECCOS), Multi Application Operating System (MULTOS) oder Windows for Smartcards, die die verschiedenen Anwendungen unterstützen und verwalten.

    Multifunktionskarte mit verschiedenen Applikationen

    Multifunktionskarte mit verschiedenen Applikationen

    So beispielsweise die Selektion, Aktivierung und Deaktivierung der Anwendung, das Nachladen von neuen und das Löschen von alten Anwendungen, sowie die Bereitstellung von Programmierschnittstellen und Sicherheitsbelangen. Sie erfüllen die Anforderungen nach ISO 7816, der International Organization for Standardization (ISO).

  2. In der PC-Messtechnik wird die Bezeichnung Multifunktionskarte für PC-Einsteckkarten benutzt, die in die entsprechenden Bussysteme wie beispielsweise den PCI-Bus eingesteckt werden. Solche Multifunktionskarten werden für die Ein- und Ausgabe der Daten benutzt und stehen auch als Geräte in separaten Gehäusen zur Verfügung, die autark arbeiten können.

    Multifunktionskarten dienen bei der Durchführung von universellen Messaufgaben zur Erfassung physikalischer Größen von der Temperatur bis hin zu Schwingungen und Frequenzen. Neben Spannung und Strom können beliebige Sensoren vom Thermoelement bis hin zu Inkrementalgebern an die Karten angeschlossen werden. Über Schnittstellen kann eine Einbindung in grafische Programmiersysteme wie Laboratory Virtual Instrument Engineering Workbench (LabVIEW) erfolgen.

    In der PC-Messtechnik unterscheidet man folgende Multifunktionskartentypen:
    • Multifunktions-I/O-Karten (Eingabe/Ausgabe),
    • digitale I/O-Karten und
    • analoge Ausgabekarten.

    Die Multifunktionskarten bieten meist gleich viele Analogeingangskanäle wie digitale I/O-Kanäle. So werden z..B. in der Messtechnik und Regelungstechnik analoge Spannungswerte von Sensoren eingelesen und dann die entsprechenden analogen oder digitale Regelgrößen ausgegeben.

    PC-Multifunktionskarte, 12 bit, 330 kHz, Foto: Spectra.de

    PC-Multifunktionskarte, 12 bit, 330 kHz, Foto: Spectra.de

    Vor der Auswahl einer Karte sollte man sich einen Überblick über die Anzahl der benötigten analogen und digitalen En- und Ausgänge verschaffen. Weitere wichtige Parameter von Multifunktionskarten sind die Abtastrate und die Amplitudenauflösung, die für Präzisionsanwendungen wie zum Beispiel hoch genaue Temperaturmessungen eine Rolle spielen.

Informationen zum Artikel
Deutsch: Multifunktionskarte
Englisch: multi function board
Veröffentlicht: 10.10.2013
Wörter: 398
Tags: #Messgeräte und Testgeräte
Links: Abtastrate, Analog, API (application programming interface), Chipkarte, COS (card operating system)