Function-Point-Methode

Die Function-Point-Methode oder Function-Point-Analyse (FPA) ist ein Verfahren der Software-Metrik und bildet bereits auf Basis der Spezifikation einer Software die Eigenschaften dieser Software als eine Maßzahl ab. Damit ist die frühzeitige Abschätzung des Entwicklungsaufwandes für ein Softwareprodukt möglich. Ein zentraler Ansatz dabei ist die Berücksichtigung verschiedenster Sichtweisen. Damit ist die Absicherung von Investitionsentscheidungen in Zusammenhang mit der Entwicklung von Software möglich. Die Ursprünge der Function-Point-Methode gehen zurück in die späten 70er Jahre und basieren auf Forschungen der Firma IBM.

Die 1986 gegründete "International Function Point Users Group" (IFPUG) verfolgt die Standardisierung und weitere Entwicklung der Function-Point-Methode. Die IFPUG gibt das allgemein anerkannte Regelwerk "Function Point Counting Practices Manual" heraus, welches 1994 in der Version 4.0 vorgestellt wurde. Dabei wurden die Verwendung der Methode in frühen Phasen der Software-Entwicklung sowie die Integration einer grafischen Benutzeroberfläche berücksichtigt.

Einordnung der Function-Point-Methode

Die Function-Point-Methode ordnet sich in die Gruppe der Gewichtungsmethoden ein, deren Grundlage es ist, verschiedene Faktoren zu definieren, die in die Bewertung einfließen. Diese können wie die Qualifikation des Personals subjektiver Art sein oder wie im Hinblick auf die Bewertung der verwendeten Programmiersprache von objektivem Ursprung. Diese Einflussfaktoren werden mathematisch verknüpft, so dass letztendlich ein Gesamtaufwand ermittelt werden kann.

Kategorien der Function-Point-Methode

Kategorien der Function-Point-Methode

Zunächst werden in drei Stufen die sogenannten unbewerteten (auch: unjustierten) Function Points (FP) bestimmt. Bei deren Berechnung werden in der ersten Stufe folgende Applikationsparameter berücksichtigt: Anzahl der Benutzereingaben, Anzahl der Benutzerausgaben, Anzahl der Benutzerabfragen, Anzahl der Funktionen bzw. Datenbanken und Anzahl der Schnittstellen zu weiteren Applikationen oder zu anderen Systemen.

Die so ermittelten Function Points werden in der zweiten Stufe durch Komplexitätsparameter der Applikation und der nachfolgenden dritten Stufe mit empirischen Konstanten des Entwicklungsprozesses gewichtet. Die ermittelten Werte werden in ein Berechnungsformular übernommen. In der folgenden Phase werden Einflussfaktoren bestimmt, die die ermittelten - noch unbewerteten - Function Points mit einem prozentualen Faktor auf- oder abwerten können. Hierzu gibt die IFPUG im Rahmen des Regelwerks die Berücksichtigung von bis zu 14 verschiedenen Charakteristika von der elementaren Verarbeitungslogik bis hin zur Wiederverwendbarkeit vor. Mit Abschluss dieser Phase spricht man von bewerteten (auch: justierten) Function Points. Um nun abschließend eine Aussage über den Entwicklungsaufwand für ein Software-Projekt zu bekommen, werden die so ermittelten bewerteten Function Points der Produktivität von Software-Entwicklungsprozessen in Mitarbeiter-Monaten gegenübergestellt. Diese Werte werden zumeist tabellarisch erfasst und ergeben sich aus allgemein verfügbaren Produktivitätsdaten sowie aus spezifischen Erfahrungswerten durch vergangene Entwicklungsprozesse.

Aber auch die Produktivitätsmaße auf der Basis von Function Points haben Kritik hervorgerufen, beispielsweise:

  • Die Schätzung der Function Points einer Applikation, die zwar mit der Anzahl der produzierten Anweisungen korreliert, berücksichtigt die algorithmische Komplexität der Lösung nicht.
  • In der Berechnung der Function Points werden Applikationsparameter und Gewichtungsfaktoren verwendet, die durch subjektive Einschätzung und Bewertungen ermittelt werden (beispielsweise: Sind die Eingaben, Ausgaben, Datenbanken und Abfragen komplex?)
Weitere alternative Verfahren der Aufwands- und Kostenschätzungstechnik, mit der die Qualitätsmerkmale Kosten- und Termintreue bei Software-Entwicklungen besser geplant und realisiert werden können, sind die Methoden COCOMO (Constructive Cost Model) und Delphi.

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Informationen zum Artikel
Deutsch: Function-Point-Methode
Englisch: function point method
Veröffentlicht: 02.11.2013
Wörter: 519
Tags: Analyse
Links: Abfrage, Anweisung, COCOMO (constructive cost model), Datenbank, Delphi