IEEE 802 auf dem Weg zu den Telecoms
13.02.08
Hans Lackner schreibt zum Thema: IEEE 802 auf dem Weg zu den Telecoms
Lokale Netze sind out
Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich die IEEE Projektgruppe P802 mit Standards für lokale und städtische Netze. Ihr Name ist LMSC LAN & MAN Standards Committee. Die LANs, sprich Ethernet, sind seit langer Zeit nicht mehr der alleinige Fokus. Auf der einen Seite geht die Entwicklung in Richtung kabelgebundener Wide Area Netze. Noch wichtiger aber ist die Entwicklung der kabellosen LANs, die ebenfalls einen Drang in Richtung MANs und WANs verspüren.
Kabelgebundene Netze
In der IEEE 802.3 Ethernet Gruppe dominieren die 100 Gbit/s Aktivitäten oder besser gesagt, die High Speed Aktivitäten. Denn bereits im Sommer letzten Jahres hatte man sich darauf eingelassen, nicht nur die „Ethernet“ Bandbreite von 100 Gbit/s zu unterstützen, sondern auch die merkwürdigen 40 Gbit/s. Damit war der Weg für den Standard frei, aber man hatte sich gleichzeitig eine Menge neuer Probleme geschaffen. Der tatsächliche Startschuss für die Normierung fiel daher erst am 5.Dezember 2007. Aus der HSSG Higher Speed Subworking Group ist nun 802.3ba 40/100 Gbit/s Ethernet geworden. Drei weitere Themen sind in 802.3 von Bedeutung: 802.3av 10 Gbit/s EPON Ethernet Passive Optical Network (Fiber to the Home), 802.3az EEE Energy Efficient Ethernet und 802.3at PoE Plus Power over Ethernet Erweiterung.
Der 802.17 Resilient Packet Ring ist nach dem Rückzug von IBM zur Bedeutungslosigkeit verdammt worden. Kein Hersteller interessiert sich für die Ethernet over SDH Technologie, die die Token Ring Entwickler als ihr neues Betätigungsfeld angesehen hatten.
Kabellose Netze
Der wireless Bereich wird durch acht eigenständige Gruppen abgedeckt. Da ist zunächst einmal die 802.11 wireless LAN Gruppe, die auch als Primus inter Pares gilt. Deren wichtigstes Thema 802.11n Higher Throughput ist auf einem schwierigen Weg. Seit vier Jahren versucht die Gruppe nun den Standard zu definieren, leider immer noch ohne Erfolg, das Fertigstellungsdatum musste wiederum um fast ein Jahr auf den Juli 2009 verschoben werden. Wenn sie da nicht bald von der neuen VHT Very High Throughput Gruppe überholt werden, die gerade dabei ist ihren Normierungsauftrag zu erhalten.
Im Bereich der Personennetze ist die Arbeitsgruppe 802.15 wireless PAN tätig, die nach ihrem Bluetooth Erfolg sich nun verstärkt dem Thema UWB Ultra Wide Band widmet, eine Technologie, die sich voll den Home Anwendungen widmet.
Im Städtischen Bereich ist die Gruppe 802.16 BWA Breitband Wireless Access tätig, die bereits die 3. Generation hervorgebracht hat: ihr erster Standard 802.16-2002 konzentrierte sich auf reine Richtfunk Verbindungen, blieb aber bedeutungslos. Mit dem zweiten Standard 802.16-2004 BWA stationär gelang der Durchbruch. Zum Einsatz kommt hier eine OFDM Technologie zur Unterstützung von NLOS (non-Line-of-Sight, Verbindungen ohne direkte Sicht) Verbindungen. Aber erst der Standard 802.16e-2005 BWA mobil wird wohl den großflächigen Einsatz auch in Deutschland bringen. Da 802.16 nun auch offiziell als Technologie der 4. Generation der ITU-R (IMT-2000) anerkannt wurde, kann auch die Telekom nicht mehr wegschauen und muss ihre 4G Strategie überdenken. Intel wird 802.16e-2005 noch dieses Jahr in ihre Centrino CPU integrieren. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Gruppe 802.16m Advanced Air Interface, die an höheren Bandbreiten und einer besseren Ausnutzung der Frequenzbereiche arbeitet.
Ein Konkurrenzthema zu 802.16e wird nun doch (nach Auswechslung der Führungsmannschaft) weiter in 802.20 MBWA Mobile Broadband Wireless Access behandelt. Wie es gelingen konnte, einen Normierungsauftrag für ein Konkurrenzthema zu erhalten, ist unklar, denn das widerspricht den Statuten von IEEE 802. Ich bezweifle allerdings, dass diese Technologie jemals den Normstempel erhalten wird.

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