22.11.2008

 IBM gegen den Rest der Welt

11.07.07

Kategorie: Inside IEEE 802

Hans Lackner schreibt zum Thema: Resilient Packet Ring

IBM gegen den Rest der Welt

Ja, damals im Jahre 1980 waren sie noch stark, die Herren von der IBM. Eine hergelaufene DIX (DEC, Intel, Xerox) Bande gab vor, das Lokale Netz erfunden zu haben. Im Februar 1980 gründeten diese Gauner sogar das LAN Standards Komitee um die Ethernet-Technologie in dem gerade erfundenen LAN zu etablieren. Da konnte man als Erfinder des Business Computing nicht tatenlos zusehen und gründete flugs eine eigene Arbeitsgruppe: der Token Ring sollte der Ethernet-Bande das fürchten lehren.

Kompatibel ist, was mit IBM zusammenarbeitet

IBM ging vehement an die Sache heran und hatte schon bald einen eigenen Standard gegen Ethernet fertig: IEEE 802. Token Ring. Leider entsprach dieser Standard nicht dem, was man sich in IEEE 802 vorgenommen hatte: ein Hersteller sollte in der Lage sein, ein Gerät allein aus dem Standard heraus zu bauen. Dieser Standard aber enthielt weder Jitterberechnungen noch irgendwelche Statusdiagramme, so dass Hersteller nicht in der Lage waren, 802.5-konforme Geräte allein auf Basis des Standards zu bauen. Daher galten Geräte als Normkonform, wenn sie mit den IBM-Geräten zusammenarbeiteten. Erst nach mehr als 10 Jahren (1995) entschloss man sich, und jetzt kommt ein wörtliches Zitat: „die Norm an die existierenden Implementierungen anzupassen“. Die nun völlig überarbeitete Norm entsprach nun zum erstem Mal den Qualitätsanforderungen der IEEE 802.

Hochmut kommt vor dem Fall

Dadurch fühlte man sich jetzt stark genug, auch die weiterentwickelte Ethernet-Technologie anzugreifen, der 100-Mbit/s-Token-Ring wurde angegangen und schließlich im gleichen Jahre 1995 noch verabschiedet. Es wurde sogar noch eine Arbeitsgruppe 1000-Mbit/s-Ethernet ins Leben gerufen. Die aber schaffte die fertige Norm nicht mehr. Im Sommer 2000 schlief die Token-Ring-Arbeitsgruppe ein, offiziell hibernating genannt, und alle 802.5-Mitglieder waren arbeitslos.

Sich nicht runterkriegen lassen


Das konnte doch nicht das Ende der Ringtechnologie sein. War es auch nicht! IBM hatte schon wieder neue Ideen, denn wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis. Das geschah wirklich noch im gleichen Jahr. Der Arbeitskreis bekam die Nummer 802.17 und beschäftigte sich mit dem Thema „Resilient Packet Ring“. Was heißt das, resilient? Im Wörterbuch findet man den Begriff recht schnell: „sich nicht runterkriegen lassen“ steht da. Vor dem Hintergrund, dass 802.17 das Auffangbecken für arbeitslose Token-Ring-Mitarbeiter war, versteht man diesen Begriff recht schnell.

Keiner mag ihn

Tatsächlich entwickelte man den Packet Ring recht schnell und verabschiedet auch bald den Standard 802.17. Im Sommer 2004 ist die Arbeit beendet und es liegt ein wunderschöner Standard vor. Er hat nur einen kleinen Schönheitsfehler, keiner will ihn. Selbst IBM hat entschieden, doch lieber ein eigenes Süppchen zu kochen. Auch alle anderen Hersteller setzen auf eigene proprietäre Lösungen. 802.17 ist es also genau so ergangen wie 802.12: es existiert zwar eine Norm, aber niemand will sie. Weitere Informationen finden Sie unter www.qoscom.de.