Ethernet und Quality of Service
25.07.07
Hans Lackner schreibt zum Thema: Ethernet und Quality of Service
Bandbreite satt
Das war schon immer die Devise von Ethernet. Und das stimmte auch von Beginn an. Als man mit 10 Mbit/s startete, waren die Menschen an 9,6 kbit/s gewöhnt. Ethernet war also um den Faktor 1000 schneller als bisher gewohnt. Das hatte es bisher noch nicht gegeben! Neuerungen, die einen Faktor 10 brachten, kannte man zum Beispiel vom Automobil, aber einen Faktor 1000? Nein, diese Bandbreite musste unendlich sein! Man brauchte sich also keine Gedanken darum zu machen, dass irgendjemand einmal zu kurz kommen würde.
Der Krieg der Köpfe
Lange Zeit hielt diese Idee von der Big Pipe. Erst um 1993 herum begannen die Zweifel. Man hatte endlich begriffen, dass 10 Mbit/s nicht unendlich ist und begann mit den Arbeiten an einer neuen Spezifikation: 100 Mbit/s. In der Steigerungsrate bei weitem nicht mehr wie 1980, was die ersten Zweifler an dem Grundsatz Bandbreite satt auf den Plan rief. HP stellte zusammen mit AT&T sein VG AnyLAN vor, das verbrecherischer Weise kein CSMA/CD mehr war, sondern ein Demand Priority-Verfahren darstellte. Als das HP-Marketing dann noch den IEEE-Standardisierern die fertige Lösung auf der Interop in Washington (die Tagung war in Baltimore, 30 Meilen entfernt von der Tagung) präsentieren wollte, da brach der Krieg aus, den man den Krieg der Köpfe nannte.
Die VG-AnyLAN-Leute (auch 100BASE-VG, Voice Grade also Sprach Qualität) wurden aus 802.3 eliminiert und in 802.12 Demand Priority verbannt, obwohl ihr Button „see it work!“ verkündete. Der Rest der 100 Mbit/s-Leute hielt den „never change the MAC“-Button hoch, was diese aber nicht davor bewahrte, aus Proporzgründen ebenfalls aus 802.3 vertrieben zu werden. Man steckte sie nach 802.30, eine Nummer total aus dem Rahmen. Das wiederum veranlasste die in 802.2 Verbliebenen zu dem Spruch „802.3 wants U“, 802.3u war der Arbeitskreis, der 100-Mbit/s-Ethernet zu normieren hatte. Und in der Tat die vertriebenen 30er kehrten in den Schoß von 802.3 zurück, während die hochmütigen 12er elendiglich zu Grunde gingen.
Eine Blam(age)
Dieser ersten bösen Erfahrung mit Quality of Service, hier noch schüchtern Voice Grade genannt, folgten weitere. Bereits im Jahre 1997 machte Mart Molle, Professor an der Universität Toronto, böse Erfahrungen mit QoS in 802.3. Unter dem Namen BLAM (Binary Logorithmic Access Methode) hatte er 1995 ein verbessertes Backoff-Verfahren zur Normierung vorgeschlagen, das QoS-Möglichkeiten zuließ. Tatsächlich erhielt er 1995 das PAR (Erlaubnis zum Start der Normierung), aber 802.3 ließ ihn am ausgestreckten Arm verhungern.
Der schlimmste Erzfeind
Als dann noch, der zum damaligen Zeitpunkt schlimmste Erzfein ATM mit Quality of Service hausieren ging, da war der Begriff QoS endgültig tabu. Alle Ansätze dieses Wort auszusprechen wurden im Keime erstickt. Wenn man gnädig war, überließ man den Einsern das Feld: die beschäftigten sich nun mit „Port Based Access Control“ oder „Virtual Bridged LANs.
Bis heute gilt „QoS never“
Selbst nach dem Tod des Erzfeindes ATM ist Quality of Service auch heute noch ein Unwort in 802.3. So entstand im Jahre 2005 die Arbeitsgruppe 802.3ar „Congestion Management“, die versuchte den Begriff QoS ein wenig zu verstecken. Allerdings gelang ihnen das nicht allzu lange. Heute ist das Schicksal dieser Arbeitsgruppe ungewiss, sie hat ihre Arbeit weitgehend eingestellt. Vielleicht gelingt ihnen noch der Sprung nach 802.1, ansonsten wird auch diese Aktion sterben, wie alle anderen Bemühungen um QoS. Bandbreite ist eben alles in 802.3. Weitere Informationen finden Sie wie immer unter www.qoscom.de.

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