20.11.2008

 Netze im Wandel

09.05.07

Kategorie: Netze im Wandel

zu Gerhard Kafka

Eine kurze Bestandsaufnahme!

Seit 1977 – erinnern Sie sich noch? Die Telekommunikation war weltweit den Monopolisten ausgeliefert und es gab damals keinen PC und kein LAN (bis auf das von Datapoint entwickelte ARCNET, aber davon wird heute nur noch im Feldbusbereich gesprochen) – habe ich zunächst die Netzwerkentwicklung aktiv mitgestaltet (X.25, LAN, ISDN etc.) und seit der im Jahre 1990 begonnenen Selbständigkeit die Entwicklung neuer Netzwerktechnologien intensiv beobachtet (ATM, DSL, EFM, Frame Relay, IP/IPv6, ISDN, GSM, MPLS, PLC, WiMAX, WLAN, UMTS, UWB u.v.m.).

In der Vergangenheit wurden für jede Applikation spezielle Netzwerke errichtet. Da gab es und gibt es teilweise immer noch Netzwerksilos für Telex, Sprache, Kabelfernsehen, Mobilfunk, Daten und Internet. Das ist heute nicht mehr wirtschaftlich und auch nicht besonders effizient. Den Gedanken zur Konvergenz kennen wir bereits seit der Einführung von ISDN Mitte der 80-er Jahre: Sprache, Daten einschließlich Internet und Video über einen Netzanschluss mit n x 64 kbit/s TDM-Übertragungskanälen. 25 Jahre ISDN scheinen genug zu sein, denn die Welt verlegt sich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Skalierbarkeit auf paketvermittelte Netze basierend auf IP und neuerdings auch Ethernet – beides Technologien, die grundsätzlich keine Dienstegüte (QoS) und Sicherheit offerieren, weil eben nur „Best Effort“. Trotzdem treiben Hersteller, Netzbetreiber, Service Provider, Interessensgruppen und Standardisierungsgremien die (sanfte) Migration zu Netzwerken der nächsten Generation (NGN) vehement voran. Und diese Multiservice-fähigen Netze sollen nicht nur als Transportplattform für sämtliche Kommunikationsdienste fungieren sondern müssen auch die von den klassischen öffentlichen Netzen bekannte hohe Verfügbarkeit von mindestens 99,999%, Bandbreite nach Bedarf und hohe Sicherheit bereitstellen. Da gibt es noch viel zu tun, um alle Anforderungen sowohl der Netzbetreiber als auch der Anwender zufrieden zu stellen.

Wohin geht die Netzwerkreise?

Und eben diese Anwender, die schlussendlich die Netzwerkinvestitionen und -dienste auch bezahlen müssen, sollten darüber informiert sein, wohin die Netzwerkreise denn eigentlich geht. Das ist natürlich keine leichte Aufgabe, da sich die Anbieter von ihren Wettbewerbern dadurch differenzieren, indem sie immer neue Verfahren, Dienste und Akronyme erfinden, um sich damit zu profilieren versuchen. Verweilen wir doch nur mal kurz bei den kryptischen Abkürzungen: MPLS, GMPLS, T-MPLS, GENI, CET, PWE3, VPLS, E-Line, E-LAN, E-Tree, PBB, PBT-TE, WiMAX, UWB, LTE und 4G um nur einige zu nennen. Gelingt es schließlich mit entsprechendem Zeitaufwand diese zu dechiffrieren, stellt sich postwendend die Frage: Brauche ich das wirklich? Und wenn ja, wofür? Und bringt mir das Neue auch persönliche Vorteile?

Netze der Zukunft: Ein Blog für die strategische Ausrichtung

Warum nun dieser Blog? Nun, ich glaube, dass ich dazu beitragen kann, dass komplexe Technologien und Verfahren sowie neue Dienste und Angebote für die konvergente Telekommunikation auch von den Anwendern besser verstanden werden. Ab sofort werde ich hier regelmäßig über aktuelle Entwicklungen für das künftige NGN, die Transformation von bestehenden Architekturen, die Eigenschaften neuer Anwendungen und Dienste sowie die Migration auf eine All-IP-Infrastruktur berichten. Die Vision von einer allgegenwärtigen Kommunikation, die nur mehr aus einer Steckdose kommt und mit einem multifunktionalen Endgerät durchgeführt werden kann, wird schon in naher Zukunft zur alltäglichen Realität.

Dass der Weg dorthin noch ein steiniger werden wird, sollte uns allen klar sein. Aber die Erkenntnis der Hersteller und Dienstanbieter, den Anwender in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zu stellen ist schon mal ein viel versprechender Anfang. Und wenn die Endgeräte schließlich auch noch benutzerfreundlich und intuitiv, d.h. ohne Training und langes Lesen von fremdsprachigen Bedienungsanleitungen gehandhabt werden können, ist ein weiterer kleiner Schritt ins Informationszeitalter getan.

Mein nächster Blog am 23. Mai wird sich den Next Generation Networks (NGN) und deren Vorteilen widmen.