22.11.2008

 Kupferleitungen werden zu Gold

20.06.07

Kategorie: Netze im Wandel

Gerhard Kafka schreibt zum Thema: Kupferleitungen werden zu Gold

Der schnelle Internetzugang ist heute aus meinem Arbeitsleben nicht mehr wegzudenken. Na ja, schnell ist ein wenig übertrieben, denn 2 Mbit/s reichen leider nicht aus, um Videosignale über die Telefonleitung zu übertragen. Auch die in meinem Wohnort maximal mögliche Geschwindigkeit von 3 Mbit/s ist lediglich für den raschen Download großer Dateien gut geeignet, aber nicht für das neue Fernsehen IPTV. Doch im Vergleich zu meinem ersten Internetzugang Mitte der 80-er Jahre mit einem 9,6-kbit/s-Modem sind die 2 Mbit/s eine enorme Steigerung.
Das DSL-Forum meldete jetzt im Juni, dass die weltweite Zahl der DSL-Benutzer die Marke von 200 Millionen überschritten hat. Ende Mai lag China mit 43,4 Millionen einsam an der Spitze, gefolgt von den USA mit 27,5 und Deutschland mit 15,7. Dicht dahinter Frankreich mit 16,6 und Japan mit 14,2 Millionen DSL-Anschlüssen.

100 Mbit/s über die Telefonleitung?
Jawohl, DSL macht es möglich! Wie funktioniert DSL? Hatte man seinerzeit mit dem 56-kbit/s-Modem das Letzte aus der Doppelader herausgeholt? Schlaue Ingenieure des amerikanischen Modemherstellers Telebit haben Mitte der 80-er Jahre den Trailblazer mit Multi-Carrier-Technik und 19,2 kbit/s Übertragungsrate vorgestellt. Diese Technik wird heute bei den verschiedenen Varianten von xDSL – das „x“ steht für über 250 Varianten, die mein lieber Freund Dr. Andreas Bluschke dokumentiert hat (nachzulesen auf der Webseite teleconnect.de) – als technologische Basis eingesetzt. Für diese hochinteressante Übertragungstechnologie dienen übrigens ganz normale Telefonleitungen als Transportmedium. Natürlich muss die Doppelader mit wesentlich höheren Frequenzen (bis zu 30 MHz) belegt werden, um so die Datenraten bis in den Bereich von 100 Mbit/s zu steigern.

Genau betrachtet stellt ISDN (ebenfalls Mitte der 80-er Jahre entwickelt) die erste praktisch implementierte DSL-Variante dar. Und 1995 wurde in den USA der erste Feldversuch mit ADSL und 8 Mbit/s gestartet, um damit eine Alternative zu den Koaxialkabeln der Kabelfernsehgesellschaften zu schaffen. Zwischenzeitlich wurde aus dem simplen ADSL ein ADSL2+ mit Spitzengeschwindigkeiten von 25 Mbit/s. Dies reicht aus, um bis zu drei digitale HDTV-Signale gleichzeitig zu übertragen. Noch schneller arbeitet VDSL2, nämlich bis zu 100 Mbit/s. Allerdings ist die Reichweite mit ca. 400 m deutlich begrenzt. Und um diese hohen Geschwindigkeiten zu erreichen, müssen die Kupferleitungen von bester Qualität und frei von Störsignalen (wie sich die verschiedenen DSL-Technologien in einem Leitungsbündel ggf. gegenseitig beeinflussen können zeigt das folgende Bild) sein. Mit dieser neuesten DSL-Variante möchte sich die Deutsche Telekom gerne einen neuen Monopolbereich schaffen. Aber gegen diese „Regulierungsferien“ hat die EU-Kommission in Brüssel bereits auf hoher Ebene interveniert.

Das seit vielen Jahren bestehende Kupfernetz beschert also den Netzbetreibern eine späte Sonderamortisation. Die deutsche Infrastruktur wurde ja seinerzeit aus Steuergeldern finanziert und verhilft der Telekom als „Erben“ zu ursprünglich nicht geplanten Einnahmen. Klingt sehr viel versprechend, hat aber doch einen gravierenden Haken: Die für die hohen Datenraten erforderliche Leitungsqualität ist nur selten vorhanden. Dazu nur zwei Beispiele: Um Kosten zu sparen wurde von der Telekom ein so genanntes „mageres Kupfer“, das sind Leitungen mit nur 0,35 mm Durchmesser statt der üblichen 0,4 bzw. sogar 0,6 verlegt und viele Hausverkabelungen stammen noch aus den 50-er und 60-er Jahren und entsprechen nicht den hohen Anforderungen. Noch kann man mit der Bündelung von Doppeladern (Bonding) mehr Kapazitäten aus dem Kupferkabel herausholen, aber dazu müssen entsprechend viele Adern frei sein. Wenn dies nicht mehr reicht, dann bleibt wohl nur die Neuverlegung von Glasfasern bis ins Haus (FTTH), wie dies bereits mit wirtschaftlichen Erfolgen von den Wettbewerbern der Telekom in den Städten Norderstedt und Schwerte praktiziert wird.

Stromkabel sind doch aus auch Kupfer
Richtig, aber dass man darüber auch Daten übertragen kann, ist relativ neu. Die ersten Versuche vor rund 10 Jahren, Informationen über Stromkabel zu transportieren, waren auch nicht besonders erfolgreich. Die Pioniere dieser Powerline Technologie (PLC) Ascom, Nortel und Siemens haben in der Zwischenzeit ihre Entwicklungen eingestellt. Obwohl man heute übliche Datenraten von über 80 Mbit/s erzielt, spielt die PLC-Technologie zur Überbrückung der letzten Meile hier in Deutschland keine bedeutende Rolle. Powerplus versorgt zwar damit 5.000 Haushalte in Mannheim mit einem schnellen Internetzugang, aber das ist wohl eher eine Ausnahme. Im österreichischen Linz musste der PLC-Betreiber auf Betreiben der CB-Funker den Dienst sogar kurzzeitig einstellen – aber seit feststeht, dass die gemessenen Funkstörungen nichts mit PLC zu tun hatten, dürfen die Linzer wieder über das Stromkabel im Internet surfen.

Mehr Erfolg wird der PLC-Technologie im Bereich der Heimnetze zugesprochen. Ich benutze selbst in meinem Haus PLC-Modems zur Vernetzung der PCs, und muss neidlos zugeben, dass die Datenübertragung seit einem Jahr störungsfrei und sehr viel besser als mit WLAN läuft. Innerhalb eines Hauses bzw. einer abgeschlossenen Wohnung sind die Entfernungen so gering, dass mit der PLC-Technologie in der Zwischenzeit sogar sagenhafte Datenraten von 200 Mbit/s erreicht werden. Damit kommt das Internet tatsächlich aus der Steckdose.

Im nächsten Blog am 4. Juli werfe ich einen Blick auf die rasante Entwicklung der verschiedenen Funktechnologien, die uns nahezu überall eine schnelle Kommunikation ermöglichen.