22.11.2008

 Von Single Play zu Multi Play

10.10.07

Kategorie: Netze im Wandel

Gerhard Kafka: Von Single Play zu Multi Play

Mit der Transformation der bisherigen dienstespezifischen Spezialnetze (Silos) in eine Multiservice-fähige konvergente Netzwerkplattform der nächsten Generation (NGN) werden für die Netzbetreiber und Service Provider die besten Voraussetzungen geschaffen, um ihren Kunden alle Kommunikationsdienste aus einer Hand anzubieten.
Diese Konvergenz der Netzwerke und Dienste soll schließlich nicht nur den Betreibern sondern auch den Anwendern organisatorische und wirtschaftliche Vorteile bringen. Die Betreiber sparen durch die Konzentration auf eine einheitliche Plattform Kosten bei Investitionen (CAPEX) und Betrieb (OPEX) und die Anwender profitieren durch geringere Bereitstellungs- und Übertragungskosten. Ich möchte an dieser Stelle nochmals eindringlich darauf hinweisen, dass eine „Single Plattform“ auch immer einen „Single Point of Failure“ darstellt. Deshalb müssen alle Beteiligten die Aspekte der Sicherheit, Verfügbarkeit und Redundanz sorgfältig prüfen und bei der Konzeption, Planung und Implementierung unbedingt berücksichtigen.


Alle Dienste aus einer Hand

Die Zeiten von Single Play scheinen endgültig vorbei zu sein. Kaum ein Kunde wird heute noch einzelne Kommunikationsdienste von verschiedenen Providern beziehen. Alleine der Aufwand für das Rechnungswesen sollte schon ausreichend Motivation sein, um künftig nur noch Dienste im Bündel zu beziehen. Schon ein privater Anwender kann im Rechnungswust ersticken: Telefonanschluss, Mobilfunknutzung, Internetzugang, Kabelfernsehen und Pay-TV. Bei Geschäftskunden ist die Vielfalt der konsumierten Dienste u.U. noch größer. Aus Redundanzgründen ist eine Reduktion auf mindestens zwei Anbieter dringend zu empfehlen.
Eine Bündelung von Telefondienst und Internetzugang ist heute sehr verbreitet und bietet aufgrund der verschiedenen Flatrate-Modelle dem Konsumenten eine sichere Kostenkontrolle. Weitere Beispiele für Double Play sind Festnetzanschluss plus Mobilfunkkommunikation oder Internetzugang (ohne Telefonanschluss, welcher durch IP-Telefonie ersetzt wird) plus Mobilfunk oder Internet-Fernsehen bzw. IPTV.



Single Play ist out – Multi Play im Kommen

Auf der Suche nach neuen Umsatzträgern sind die Provider mit Triple Play fündig geworden. Gleich vier Gruppen buhlen um die Gunst des Kunden: Festnetzbetreiber, Kabelnetzbetreiber, Mobilfunknetzbetreiber und Satellitenbetreiber. Je nach dem Schwerpunkt des Angebots werden typisch die folgenden Dienste gebündelt: Sprache, Internet und Video. Enthält das Portfolio auch noch Mobilfunkdienste so spricht man bereits von Quadruple Play. Wobei auf der Hand liegt, dass sich Kabelnetzbetreiber und Satellitenbetreiber mit einem Mobilfunkangebot schwer tun. Bei Quad Play liegen die Vorteile eindeutig bei den Fest- und Mobilfunknetzbetreibern, die hier noch vom Trend der Konvergenz dieser beiden Dienste profitieren.

 

Von Multi Play zu Powerplay
Nun werden die Anbieter immer innovativer, wenn es um die Differenzierung vom Wettbewerb geht. Auf dem in dieser Woche in Berlin stattfindenden Broadband World Forum tritt der finnische Hersteller Movial erstmals mit dem Begriff Quintuple Play auf. Auf der Kongressmesse zeigt Movial seine für Telefonica, BMW und TeliaSonera entwickelte Lösung, die Konvergenz in verschiedenen Formen auf diverse Endgeräte liefert. Quintuple deshalb, weil die Dienste auf fünf verschiedenen Endgeräten empfangen werden können. Diese Endgeräte sind im Einzelnen: PC, Mobiltelefon, Set-top Box, Tablett-PC und Automobil. Damit wird die Strategie dieses Herstellers verdeutlicht, der damit eine echte Konvergenzlösung für das IP-Ökosystem offeriert.
Ist das noch steigerungsfähig? Erstaunlicherweise ja! Da haben die Stadtwerke in Schwerte mit ihrem Angebot „PowerPlay“ heute unbestritten die Nase vorne. Im Rahmen des erfolgreichen Projektes FTTH, mit dem den Kunden Telefonie, Internetzugang und Video als Triple Play über die Glasfaser angeboten werden, kann der Kunde auch mit Gas, Strom und Wasser über den von den Stadtwerken entwickelten Multifunktionskanal versorgt werden. Selbst Innovationskünstler werden es schwer haben, dieses Bündelangebot „Power Play“ noch zu übertreffen.
In meinem nächsten Blog am 24. Oktober werde ich das Thema mobiles Fernsehen aufgreifen. Die Diskussion dreht sich ja nicht nur um die Frage: wer braucht denn das? sondern auch um Regulierung und Standards. Die Stichworte dazu sind u.a. DMB, DVB-H und MBMS.