07.10.2008

 Jetzt soll Fernsehen auch noch mobil werden

24.10.07

Kategorie: Netze im Wandel

Gerhard Kafka zum Thema: Jetzt soll Fernsehen auch mobil werden

Die Digitalisierung in der Telekommunikation führt nun auch zu einem Umbruch in der Sparte Unterhaltung. Dieser Umbruch wird zudem durch den Aspekt der Mobilität, Erreichbarkeit und Interaktivität verstärkt. Der Unterhaltungsmarkt kennt zahlreiche Facetten. Dazu zählen u.a.: Rundfunk, Fernsehen, Musik, Film und Spiele. Das Konsumentenverhalten hat sich in den letzten Jahren durch die immer intensiver werdende Nutzung des Internets gravierend verändert. Ein erfolgreiches Beispiel der Web 2.0-Bewegung ist sicherlich YouTube, bei dem die Nutzer selbst für die Inhalte sorgen.

Mit IPTV versuchen die Anbieter bereits neue Wege zu gehen, indem das bisherige starre Fernsehprogramm nicht zur interaktiv über das Internet sondern auch personalisiert, spartenspezifisch und zeitlich variabel gestaltet werden kann. Und was im Internet möglicherweise eine weitere Erfolgsgeschichte werden kann animiert die Anbieter dazu, nun die TV-Dienste für mobile Endgeräte zu konzipieren. Und wie so oft in der Telekommunikation, wurden für diesen Zweck neben dem terrestrischen DVB-T – hierfür wird übrigens bereits der Nachfolger DVB-T2 entwickelt - gleich eine Reihe verschiedener Funk-basierter Verfahren entwickelt.

Samsung DMB Handy


(Bildquelle: Samsung) Es gehört schon viel Enthusiasmus dazu, eine Fußballübertragung auf einem winzigen Bildschirm zu verfolgen

Konkurrierende Verfahren

Seit im Jahre 2004 in Südkorea – bekanntlich werden dort neue Technologien für die Telekommunikation staatlich gefördert – mit DMB (digital mobile broadcast) das digitale mobile Fernsehen erfolgreich gestartet wurde, versuchen weitere Organisationen mit ähnlichen Verfahren den Markt zu durchdringen. Das sind im Einzelnen: ISDB-T in Japan, MediaFLO von Qualcomm in USA und das von der europäischen Kommission als Standard empfohlene DVB-H (hier vermisse ich aber die von der EU propagierte grundsätzliche Technologieneutralität!). Details zu diesen Verfahren sind in der folgenden Tabelle Quelle: Texas Instruments) zusammengefasst:

DVB-H,ISDB-T,DMB	,MediaFLO,Modeo,Hi-Wire,Digita,MTV3,Abertis,KPN,Swisscom Brd.,Canal+,TF1,France Tele,Arquiva,BBC,Eurosport,ITV,ARD,ZDF

Diese in der Tabelle erwähnten Verfahren haben trotzdem eine Gemeinsamkeit: sie benötigen eine komplett neue Infrastruktur, sprich ein eigenes spezifisches Netzwerk mit den dazugehörigen Antennen und Endgeräten. Weil mit dem Aufbau der Infrastruktur zusätzliche Kosten verbunden sind, liegt es nahe, Lösungen zu entwickeln, die eine bereits vorhandene Infrastruktur nutzen können. Beispiele dafür sind MBMS (multimedia broadcast multicast service), das von Ericsson bereits auf dem diesjährigen 3GSM-Kongress vorgeführt wurde und DVB-S. MBMS ist eine zusätzliche Software, die Betreiber von bestehenden 3G-Netzen implementieren können. Die Erweiterung der DVB-Standards auf Satelliten konnten Besucher der kürzlich in Berlin stattgefundenen IFA auf dem Messestand von Alcatel-Lucent begutachten.

 Testaufbau DMB der IRT München

(Bildquelle: IRT München): Lösungen wie DVB-H und DMB werden in den Labors des IRT auf Herz und Nieren geprüft

Die Situation in Deutschland

Zur FIFA Fußball-WM 2006 fiel hier in Deutschland der Startschuss für den öffentlichen mobilen TV-Empfang. Mit zwei konkurrierenden Standards, nämlich DMB und DVB-H versuchten die Anbieter MFD und Telekom, den interessierten Anwendern sowohl über terrestrische Fernsehfrequenzen als auch die 3G-Mobilfunknetze Videobilder auf die raren Endgeräte zu liefern. Ein Erfolg stellte sich mangels fehlender Handys und wegen der beschränkten Versorgungsgebiete jedoch nicht ein. Schnell wurde die entscheidende Frage gestellt: „wer braucht denn eigentlich mobiles Fernsehen?“

Die Antwort auf diese Frage steht nämlich noch in den Sternen. Bevor Mobil-TV der Durchbruch gelingt sind noch einige Hürden zu überwinden. Zunächst müssen die Anbieter das am besten geeignete Verfahren herauszufinden und die dafür erforderlichen Frequenzen erwerben. Danach sind gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen zu erfüllen. Neben dem Telekommunikationsgesetz sind der Rundfunkstaatsvertrag und die der Hoheit der einzelnen Bundesländer unterworfenen Telemediengesetze zu beachten. Auch die Betriebszeiten der Empfangsgeräte muss noch verbessert werden. Und schließlich werden die angebotenen Inhalte und Dienste darüber entscheiden, ob nur mobiles Fernsehen gefragt sein wird oder multimediale und interaktive Angebote den Erfolg bewirken können.

Ein entscheidender Schritt für das mobile Fernsehen in Deutschland erfolgte jetzt am 15. Oktober mit der Vergabe von bundesweiten Frequenzen für DVB-H. Die Bundesnetzagentur hat sich in einem Schönheitswettbewerb für die T-Systems Media&Broadcast GmbH als Netzbetreiber entschieden. Und einen Tag später gab die Gesamtkonferenz der Landesmedienanstalten bekannt, dass das Gemeinschaftsunternehmen Mobile 3.0 – diesem Konsortium gehören die beiden Verlagshäuser Hubert Burda Media und Georg von Holtzbrinck sowie MFD an – die neue TV-Plattform betreiben soll. Ich wünsche an dieser Stelle allen Beteiligten den erhofften Erfolg für ihr mutiges Engagement.

In meinem nächsten Blog am 7. November werde ich das Thema IP-Kommunikation und Sicherheit beleuchten. Eine Garantie für 100% in einem IP-Netz gibt es leider nicht, dafür aber zahlreiche Produkte und Lösungen.