Die Netzbetreiber rüsten auf und implementieren NGNs
05.12.07
Die Netzbetreiber rüsten auf und implementieren NGNs
Wie schon in meinem ersten Blog erwähnt, spielt die britische BT eine weltweite Vorreiterrolle bei der Umstellung ihrer Netzwerkinfrastruktur auf ein Next Generation Network (NGN). Das im Juni 2004 mit einem Fünfjahresplan angekündigte 21CN (21st Century Network) ist in diesem Bereich auch das bekannteste Projekt. Anfang 2007 wurde die erste englische Stadt komplett auf das NGN umgestellt. Als Besonderheit des 21CN ist der Einsatz von Carrier Ethernet-Technologien, darunter auch PBT bzw. PBB-TE, zu erwähnen.
Bereits im November 2002 gab die japanische NTT ihre Vision für eine neue Generation der Kommunikationsnetzwerke bekannt. Die Eigenschaften der RENA genannten Architektur unterschieden sich von konventionellen IP-Netzen durch die vorgesehene hohe Sicherheit, hohe Datenrate und Kapazität sowie eine garantierte Ende-zu-Ende Konnektivität. Im selben Jahr beschloss Korea Telecom, innerhalb von 10 Jahren die bestehende Infrastruktur durch ein All-IP-Netzwerk zu ersetzen. 2003 gab Bell Canada ihre NGN-Pläne bekannt und startete die ersten kommerziellen Dienste bereits im darauf folgenden Jahr.
Andere Netzwerkbetreiber folgten rasch und sind zwischenzeitlich sehr aktiv mit der Implementierung von NGNs. Einer der ersten Netzbetreiber in Europa war die österreichische Telekom Austria, die bereits 2004 mit konkreten Installationen begann und bis 2009 ihr gesamtes PSTN durch ein NGN ablösen will. Das sind genau 1240 Ortsvermittlungen, die durch rund 200 Softswitche ersetzt werden sollen. Telecom Italia hat es bereits in 2006 geschafft, den gesamten Sprach-, Daten und Videoverkehr auf eine gemeinsame landesweite IP-Plattform zu konzentrieren. Weitere Vorreiter sind die amerikanischen Betreiber Qwest und Sprint, die schon vor dem Jahr 2000 ihre internationalen Netze vollkommen auf IP umgerüstet haben.
Die folgende Tabelle aus dem OECD-Bericht von 2005 listet die damaligen NGN-Projekte mit ihren Betreibern sowie deren Aktivitäten und Partnern auf.
Standardisierung als Voraussetzung
Der OECD-Bericht verweist auch explizit auf die wichtige Funktion der internationalen Standardisierung und nennt die wichtigsten Organisationen, die sich mit den Aspekten von NGN auseinandersetzen: ITU-T, ATIS (Alliance for Telecommunications Industry Solutions), ETSI, IETF, 3GPP (Third Generation Partnership Project) und GSC (Global Standards Collaboration). Die Betreiber von Telekommunikationsnetzwerken bevorzugen eine offene und Standard-basierende Lösung, weil sie damit nicht mehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sind.
Das folgende Bild zeigt nicht nur die Entkopplung der Funktionen Transport und Anwendungen, sondern veranschaulicht die Zusammenarbeit und –schaltung der existierenden Netzwerk-Infrastrukturen mit NGN sowie den flexiblen Zugang über Fest- und Mobilfunknetze.
Ein NGN trennt Transportfunktionen und Applikationen, die künftig über jedes Netzwerk übertragen werden können (Quelle: OECD)
Die Situation in Deutschland
Als erster Netzbetreiber ging QSC im Oktober 2005 an die Öffentlichkeit und informierte diese über neue Wege in der Telekommunikation auf der Basis eines NGN, das mit dem Netzwerkausrüster Huawei Technologies aufgebaut wurde. Damit können den Kunden, insbesondere aus dem Mittelstand Virtual Office Anwendungen mit Virtuos, wie z.B. Personal Routing, FindMe, Interactive Voice Response (IVR) sowie mobile "Call-Through"- oder "Call-Back"-Dienste angeboten werden. Walter Haas, Director Network Solutions bei Huawei Technologies kommentierte die Vorreiterrolle von QSC so: „Ein NGN ist mehr als nur Voice over IP. Die Zielsetzung eines NGN ist eine offene Plattform, um schnell neue kundenorientierte Lösungen realisieren zu können. QSC ist zusammen mit Huawei einer der ersten, der eine solche umfassende Netztransformation in Deutschland realisiert hat.“
Im Jahr darauf modernisierte Arcor sein Netz neben dem Flächenausbau mit schnellen DSL-Anschlüssen. „Wir machen unsere Infrastruktur fit fürs 21. Jahrhundert“, sagte der Arcor-Chef Harald Stöber. Arcor bietet damit Kommunikations-Anschluss, über den Privatkunden gleichzeitig telefonieren, surfen und fernsehen können. Jetzt im dritten Quartal 2007 wurde der Großteil aller Neukunden mit der neuen Technik angeschaltet. Diese wird im Privatkundenbereich von Cisco und im Segment der Geschäftskunden von Nortel Networks geliefert.
Im Februar 2007 meldete sich schließlich auch die Deutsche Telekom (DTAG) zum Thema NGN. Demnach arbeiten IBM und T-Com im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft daran, das Festnetz der DTAG in eine NGN-Architektur zu überführen. Die Arbeiten starten mit der Festnetzsubstitution und zielen im weiteren Verlauf auf die Integration weiterer innovativer Dienste ab. Durch die langfristige Überführung des deutschen Festnetzes bis 2010 in eine hochmoderne NGN-Infrastruktur, soll das komplette Leistungsspektrum des Internets mit den heute verfügbaren hohen Standards der Telefonie verknüpft werden. Dabei kann sich die DTAG auf die Erfahrungen der Slovak Telekom, bei der sie mit 51% Mehrheitsanteilseigner ist stützen, die Anfang 2005 mit damals noch Alcatel-Technologie (heute Alcatel-Lucent) ein NGN in Betrieb genommen hat.
In meinem nächsten Blog am 19. Dezember werde ich meine Gedanken dem Thema des „Digitalen Heims“ widmen. Mit dem Zusammenwachsen der Sprach-, Daten- und Videodienste rückt auch die Vernetzung der privaten Wohnungen ins Visier der einschlägigen Hersteller.

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