21.11.2008

 IT-Sicherheit als Allzweckwaffe:

27.05.08

Kategorie: IT-Sicherheit

Lothar Lochmaier zum Thema Wie sich die Beamten im Einsatzfahrzeug auf die Spiele vorbereiten

Teil III

Ebenso soll das Fahrzeug nicht zum Multimedia-Cockpit mutieren, weshalb DVDs und ähnliche Spiel-varianten für die Züricher Beamten gänzlich tabu sind. Sicherheit steht wie immer ganz oben auf der Agenda: Der Zugriff auf die Daten vom mobilen Fahrzeug aus erfolgt über einen mobilen IP-Router mit WLAN- (802.11), Edge-, UMTS- und HSDPA-Unterstützung, der über Server sämtliche Verbindungen zur Zentrale aufbaut.

Das im mobilen IP-Router bereit gestellte Ethernet im Fahrzeug bildet dabei die Schnittstelle für sämtliche Geräte. Die Verbindung selbst wird über kein öffentliches Netz eingespeist, sondern via IPSec vom Provider Swisscom aufgebaut. Der Zugriff erfolgt über ein Virtual Private Network (VPN), das mit einer Firewall-Infrastruktur abgesichert ist. Die gesamte Datenkommunikation läuft dabei verschlüsselt und ist mit Smartcards zusätzlich an den Endpunkten erweitert.

Derzeit sind in Zürich 18 Streifenwagen mit mobiler IP-Technologie ausgestattet. Bereits im kommenden Jahr sollen alle der insgesamt 40 Fahrzeuge mit hochmodernen Kommunikationssystemen versehen sein. Fernziel ist die unterbrechungsfreie Mobilität durch mobiles IP-Roaming. Schon heute lassen sich Standardabfragen fast gänzlich ohne Zeitverzögerung abklären.

Jedoch mangelt es im komplexen Netzwerk noch an der optimalen Verbindungsstabilität. Die vollständig auf IP-Netzwerken basierte IT-Welt stellt sich in der Praxis für die Hersteller doch als weit schwieriger wie gedacht heraus.

Sorgen bereitet den Verantwortlichen vor dem Anpfiff zum ersten Spiel am 7. Juni im Baseler St. Ja-kob-Park derzeit außerdem die etwas wacklige Stromversorgung im Fahrzeug. Denn diese ist zumindest in Zürich noch nicht stabil über 24 Stunden hinweg. Es fehlt dazu nämlich an robusten Kabelverbindungen. Auch die Endgeräte sind nicht immer kompatibel. Hinzu kommt der Platzmangel im Fahrzeug bei kleineren PKWs.

Nicht jeder Beamte genießt den Luxus, in einem größeren Bus zu sitzen, den er sich allerdings gleich mit mehreren Kollegen teilen muss. Dort aber ist die mobile Hightech nicht direkt neben dem Lenkrad wie in den kleineren Fahrzeugen angebracht, sondern im Rückraum, wie man im Fußballjargon sagen würde.

Was die Überwachung des Fußball-Events selbst anbetrifft, so wollen die Behörden den Ball insgesamt möglichst flach halten. Schon Minuten nach dem Ende der Großveranstaltung beginnt wieder das reguläre Leben. Auch die Videoüberwachung muss dann wieder weg. Sie bleibt keine fixe, sondern nur eine temporäre Installation, auch wenn pünktlich zur Installation der Geräte am 19. Mai die einen oder anderen Medien wieder das gewohnte Schreckensszenario einer allgegenwärtigen Überwachung an die Wand malen werden.

Aber auch die Medienvertreter, gleich welcher politischer Couleur, werden kaum darum herum kommen, folgendes anzuerkennen: Überwachungsszenarien, wie sie in Europa spätestens in London bei der Olympiade 2012 der Fall sein dürften, oder wie sie sich derzeit in Peking unmittelbar vor Beginn der Olympiade ereignen, sind in den beiden Alpenrepubliken in dieser Form kaum zu erwarten.

Die kleine Schweiz hat nämlich - eher unbemerkt von der großen Weltöffentlichkeit - bereits eine lange Tradition gänzlich ohne Kriege hinter sich, die sich über Jahrhunderte bewährt hat. Jetzt hofft man halt, dass auch bei der Fußball Europameisterschaft nichts Größeres passiert.

Fans in Zürich müssen deshalb zwar mit einer verstärkten mobilen Luftaufklärung durch die Streitkräfte von oben durch Drohnen und Helikopter rechnen. Diese erfolgt aber, zumindest solange sich kein größerer Krisenfall ereignet, dezent im Hintergrund. Denn spätestens nach dem Endspiel am 29. Juni kehrt in der Schwyz wieder der gewohnte innere Frieden ein, der für das kleine und nach innen ebenso gelassene wie traditionsbewusste Alpenländle als typisch erscheint.

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